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Gewalt in der
Schule
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Landeszentrale für politische Bildung
reagiert mit Projekt zur
Konfliktbewältigung
Das Messer im Turnbeutel, die Pistole im
Ranzen - ein Szenario, das von der
Realität an den Schulen nicht allzu
weit entfernt ist. Auf dem Hintergrund
dramatisch ansteigender Deliktzahlen, will
es die Landeszentrale für politische
Bildung nicht mehr nur bei Aufklärung
belassen.
Die Schickhardt-Realschule in Stuttgart
vor einem Jahr: Ein Schüler zieht
mitten im Unterricht eine
Schreckschusspistole und bedroht seine
Lehrerin. Lähmendes Entsetzen bei
Pädagogen, Schülern, Eltern und
Politikern. Kurze Zeit später:
Messerstecherei vor einer Berufsschule in
Göppingen. Bei einem Streit unter
Jugendlichen, der einem 21-Jährigen
um ein Haar das Leben kostet, ging es um
ein Mädchen. Zwei Fälle von
Gewalt unter Schülern,
spektakulär, doch längst nicht
mehr nur die Ausnahme. Konflikte werden
auf dem Schulhof immer häufiger durch
handfeste Gewaltanwendung ausgetragen. Mit
Rangeleien unter Schülern hat das in
vielen Fällen nichts mehr gemein.
Dass beim Thema Gewalt unter Jugendlichen
dringender Handlungsbedarf besteht,
belegen auch die neusten Zahlen. Danach
wuchs in Baden-Württemberg die Anzahl
von Gewaltdelikten im Umfeld von Schulen
im Jahr 2000 auf 4233 (darunter 2674
Fälle von Gewalt gegen Sachen). Im
Jahr zuvor, 1999, waren es noch 3900
angezeigte Straftaten. Im Zeitraum
zwischen 1997 und 2000 registrierte das
Innenministerium, nach Auskunft von
Landeskriminaldirektor Dieter Schneider,
eine Zuwachsrate bei Straftaten im Umfeld
von Schulen um 38,3 Prozent. Die deutliche
Zunahme führt Schneider nicht allein
nur auf ein Anwachsen der absoluten Zahl
an Delikten zurück. Durch die
größere Sensibilisierung von
Schülern, Eltern und Lehrer
kämen auch mehr Straftaten zur
Anzeige als früher. "Man ist
wachsamer geworden", argumentiert
Schneider.
Die Landeszentrale für politische
Bildung sieht sich auf dem Hintergrund
dramatisch steigender Deliktzahlen
gezwungen, ihren Bildungsauftrag zu
erweitern und mehr als bisher auch
praktisch tätig zu werden. Innerhalb
eines Acht-Punkte-Programms gegen
Rechtsextremismus sollen vom kommenden
Schuljahr an vor allem an Haupt- , Real-
und Berufsschulen ausgebildete Teams mit
Jungen und Mädchen
Konfliktbewältigungsstrategien
einüben. Das Projekt unter dem Namen
Team Z (Z für Zivilcourage) ist mit
einem Etat von 300000 Mark ausgestattet.
Drei Teams aus jeweils fünf
Mitarbeitern sollen an besonders
auffälligen Brennpunktschulen
Übungen, Rollenspiele und
Gespräche mit Jugendlichen
führen. Ziel ist es, den
Schülern Alternativen zur Gewalt als
Konfliktlösung anzubieten. Gewalt,
betont Siegfried Schiele, Direktor der
Landeszentrale für politische
Bildung, sei ein Nährboden für
Rechtsextremismus, stehe aber auch als
Problem für sich. Geplant sei, dass
die Teams während eines Schuljahres
rund 15 Schulen besuchen.
Für die überparteiliche
Bildungseinrichtung ist der Schritt in die
praktische Gewaltprävention auch ein
Offenbarungseid: Denn das Credo der
Landeszentrale, dass (politische) Bildung
Gewalt und Rechtsextremismus verhindere,
kommt augenscheinlich an seine Grenzen.
Siegfried Frech, Z-Team-Projektleiter,
begründet die Aktion auch mit der
Tatsache, dass die Landeszentrale vor
allem Interessierte anspreche. Die
Problemgruppe erreiche man so gut wie nie.
Das Projekt gegen Gewalt unter
Jugendlichen, das durch die Zentrale
initiiert wurde, ist nicht das einzige in
Baden-Württemberg. Unter dem
Stichwort "Netzwerk gegen Gewalt"
kooperieren seit geraumer Zeit Schulen und
Eltern mit der Polizei. Dass die Zahl der
angezeigten Gewaltdelikte auf dem
Hintergrund erfolgreicher
Präventionsarbeit zunächst
ansteigt, wie Schneider sagt, belegt zwar,
dass die Aufmerksamkeit größer
wird. Es zeigt aber auch, dass die
Dunkelziffer sehr hoch sein muss.
von Torsten Schöll
© Sindelfinger Zeitung 3. 5. 2001
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